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Gesundheit im Wandel

10.11.2015
Eine revolutionäre Idee ins Heute übersetzt
 
Dank auf allen Ebenen und in originellen Facetten: Rosalinde und Peppino Pepe, die beiden Palliativ-Clowninnen, deren Besuche am St. Vincenz über die Stiftung St. Vincenz-Hospital finanziert werden, klopften nicht nur sich selbst und Prof. Dr. Thomas Neuhaus auf die Schulter. Sie bekräftigen auch den Dank, welchen die beiden Ärztlichen Direktoren Dr. Thomas Heß und Prof. Dr. Thomas Neuhaus an die Vertreter der Stiftung gerichtet hatten. Die Gelder stünden "erfreulich unkompliziert und pragmatisch, bei Bedarf auf kürzestem Dienstweg unmittelbar zur Verfügung."
 
Großer Bahnhof zum 165. Geburtstag: Hessens Sozialminister Stefan Grüttner, vordere Reihe 3. v.r., sprach die Festrede zum Thema "Gesundheit im Wandel der Zeiten." Erneut stellte er die besondere Bedeutung der Klinik zur medizinisch und pflegerischen Versorgung der Menschen der Region heraus.
 

Die Veranstaltung atmete den Geist der Gründer: die Feier zum 165 Bestehen des St. Vincenz-Krankenhauses war ein eindrucksvolles Bekenntnis zu den Grundgedanken und Überzeugungen der Stifter. In Reden, Grußworten und Predigt spiegelten sich die von den Gründern Dr. Anton Busch und Johan Baptist Diehl skizzierten Werte wieder: „Aller medizinische Fortschritt und alle Kunst der Apparatur ersetzen nicht die unmittelbare Begegnung, die Zuwendung zum Patienten“, konstatierte Hessens Sozialminister Stefan Grüttner, der Festredner der Jubiläumsfeier, vor zahlreichen Vertretern aus Politik und Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft. Einhelliges Resümee der Veranstaltung: Im Wandel der Zeiten ist das Leitmotiv von damals unverändert geblieben: Der Anspruch, nichts als dem Menschen und seiner Gesundheit verpflichtet zu sein als Ausdruck christlicher Caritas. Wie aktuell die Fragestellungen von damals auch heute noch sind, das stellte auch Sozialminister Grüttner heraus: Die Herausforderungen von heute erfordern die Solidarität aller Beteiligten“, spielte Grüttner auf die Betreuung der Flüchtlinge an. „Ohne Werte wie Nächstenliebe, Wahrung der Menschenwürde und Solidarität gehe es auch heute nicht. So stehe das St. Vincenz heute wie damals beispielhaft für Einrichtungen in der Tradition der Soziallehre, die sich vorbildlich über die Medizin hinaus des Menschen annehmen: „165 Jahre St. Vincenz-Krankenhaus in solchem Geist sind eine riesige Leistung“, so Grüttner. In seinem Abriss der Sozialgeschichte unter dem Thema „Gesundheit im Wandel der Zeit“ wies er auch in die Zukunft: Hessen habe großen Anteil an der gerade verabschiedeten großen Krankenhausreform, die in der kommenden Woche im Bundesrat behandelt wird. „Damit haben wir den Grundstein dafür gelegt, den Patientennutzen zum Maßstab der Gesundheitspolitik zu machen. Wir geben der Qualität einen ganz neuen Stellenwert und setzen sie auf eine ganz neue Ebene“, so Grüttner. Nicht mehr die Menge, also die Fallzahlsteigerung werde dadurch im Fokus stehen, vielmehr gelte es, ausschließlich Qualität zum Maßstab des Handelns zu machen. Auch werde künftig deutlich mehr Transparenz gefordert, Verständlichkeit von Qualitätsberichten seien künftig gesetzliche Forderung. Auch bei Vergütung und Krankenhausplanung werde die Qualität der Leistungen viel stärker im Vordergrund stehen als bisher. Für alle Kliniken gelte jetzt, Qualität statt Fallzahlsteigerung zum Maßstab der eigenen Strategien zu machen. „Wir haben vorzügliche Krankenhäuser“, so Grüttner, „aber auch wenn man noch so gut ist: es geht immer noch besser.“

Gleichzeitig hob Grüttner flankierende Maßnahmen wie die verbesserte Betriebskostenfinanzierung und finanzielle Unterstützung zur Stärkung der Pflege hervor. Darüber hinaus helfe das Land den Kliniken im Kontext des Hessischen Gesundheitspaktes bei der Verbesserung der Patientensicherheit. Zudem unterstütze es die notwendigen Strukturänderungen mit einer deutschlandweit einmaligen Kraftanstrengung in der Krankenhausförderung.

Davon wird auch das St. Vincenz profitieren: Wie berichtet stellt das Land dem Haus 15 Millionen Euro für die Errichtung eines neuen Talbaus mit Zentraler Notaufnahme zur Verfügung – ein „opulentes Geburtstagsgeschenk“, wie es Erwin Reuhl , der Vorsitzende der Stiftung St. Hospital, formulierte. Sein Dank galt dennoch in erster Linie den ehemaligen und heutigen MitarbeiterInnen des Krankenhauses für ihre „hohe Bereitschaft zur Zuwendung an die Patienten“. Die konsequente an christlichen Werten und am Gemeinwohl orientierte Handlungsweise in Verbindung mit unternehmerischer Kompetenz, Innovations- und Veränderungsbereitschaft seien ausschlaggebende Faktoren für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg und qualitativ hochwertige Leistungen. Ausdrücklich verwies Reuhl darauf, dass erwirtschaftete Beträge vollständig und ausschließlich in die Verbesserung des Leistungsangebotes und der Versorgungsqualität investiert würden.

Die Etablierung der Palliativstation am St. Vincenz und die Ansiedlung des ersten Hospizes der Region am Gesundheitszentrum St. Anna in Hadamar stellte Reuhl besonders heraus: Beide Angebote machten die Leitgedanken der Stiftung besonders deutlich und übersetzten die Motive der Stifter in die heute Zeit. Reuhl: „Es geht uns um das ganzheitliche Bemühen um den Menschen, also mit Herz und Technik.“ Mit der Gründung der Klinik vor 165 Jahren hätten der evangelische Mediziner Dr. Anton Busch und der katholische Stadtpfarrer von Limburg, Dr. Baptist Diehl, eine Vision konkret gemacht – eine interkonfessionelle Kooperation zum Wohle der Menschen auf dieser Basis sei damals eine geradezu revolutionäre Idee gewesen.

Dies bestätigte auch Limburgs Bürgermeister Martin Richard: „Wir sind stolz auf die Persönlichkeiten der Gründer, aber auch auf das Krankenhaus.“ Es leiste hervorragende ärztliche und pflegerische Versorgung, stärke die zentralörtliche Bedeutung und decke die gesundheitliche Versorgung für eine weite Region ab. „die Stadtpolitik ist gut beraten, das Haus in seiner Entwicklung positiv zu begleiten und zu unterstützen“, appellierte Richard an die Vertreter der Kommunal- und Kreispolitik. „Das Vincenz dient dem Gemeinwohl. Auch in unserer Stadt muss das Gemeinwohl Vorrang vor Vorgarten-Interessen haben.“ Ein vernünftiges Mit- und Nebeneinander müsse möglich sein, so der scheidende Bürgermeister.

Geschäftsführer Guido Wernert nahm nach so intensivem Blick in die Vergangenheit eine vorausschauende Perspektive ein: „Die Zukunft soll man nicht vorhersehen wollen, sondern möglich machen“, zitierte er den französischen Schriftsteller Antoine de St. Exupéry. Krankenhäuser könnten Zukunft heute nur gemeinsam gestalten, um dem Patientenwohl nachhaltig gerecht werden zu können: „Zukunft geht heute nur gemeinsam.“

Im Namen der Ärzteschaft und Vertreter aller Heilberufe erinnerten auch die beiden Ärztlichen Direktoren des St. Vincenz, Dr. Thomas Heß und Prof. Dr. Thomas Neuhaus, an die große Verpflichtung der Gründer. Gerade in diesen Tagen bedeute das geistige Fundament des Hauses eine große Verpflichtung: „Wir haben die Pflicht, aus dieser Tradition heraus all diesen durch Krieg und Flucht gezeichneten Menschen zu helfen“, mahnte Dr. Thomas Heß. Das Programm der Gründer sei Garant dafür, dass die originären Aufgaben eines Krankenhauses auch in schwierigen Zeiten nicht zur Disposition stünden. Beide Ärztliche Direktoren dankten der Stiftung insbesondere dafür, dass sie dem Haus zahlreiche Angebote ermöglicht, für die im heutigen Budget einer Klinik leider kein Etat mehr vorhanden sei. „Dies unterstreicht die herausragende Bedeutung welche die Stiftung für unseren Klinikalltag hat“, betonte Prof. Neuhaus

Den historischen Kontext hatte zuvor Domkapitular Dr. Wolfgang Pax in einer eindrucksvollen Predigt erläutert. Die Ethik des Evangeliums führe über gute Pflege und gute Medizin hinaus. Es gelte die Persönlichkeit zu sehen und anzuerkennen. „In dieser Verantwortung, für personale Zuwendung zu sorgen, sind wir heute den Gründern sehr nahe.“ Im Kontext des medizinischen Fortschritts bestehe die Herausforderung heutzutage darin, barmherzig zu bleiben, meinte Pax. Dies könne auch bedeuten, den Menschen dann sterben zu lassen, wenn seine Zeit gekommen sei. Gemeinsam mit Dompfarrer Gereon Rehberg hatte er den Dankgottesdienst zum 165jährigen Jubiläum in der Krankenhauskapelle zelebriert.
 

Auszüge aus der heimischen Presse
 

Fotoserien zu der Meldung


Gesundheit im Wandel (10.11.2015)