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Namensfest

27.09.2016

Ansprache von Pfarrer Lippert zum Fest des Hauspatrons Heiliger Vincenz von Paul in der Krankenhauskapelle im St. Vincenz Krankenhaus in Limburg

 

Liebe Mitchristen!
Die Zahl der Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, sozialer Dienste, die sich mit dem Namen Vinzenz schmücken ist international nicht zu überschauen. Was hat diesen Namen so verbreitet? Schauen wir auf sein Leben: Vinzenz ist 1581 in dem Dorf Pouy, in der Gascogne im Süden Frankreichs geboren, das heute seinen Namen trägt.. Das ausgehende 16. und beginnende 17. Jahrhundert war eine unruhige Zeit. Die Landbevölkerung war einem Meer von Elend ausgesetzt durch Kriege, Hungersnöte, Seuchen, Rechtlosigkeit. Ein absolutistisches Regime kümmerte sich nur um sich selbst.
Die Eltern des kleinen Vincenz sahen nur eine Möglichkeit, aus der Armutsfalle zu kommen, indem der begabte Junge Priester werden und eine Pfarrei mit möglichst gut ausgestatteter Pfründe übernehmen sollte. So wurde er auch in der Tat schon mit 19 Jahren zum Priester geweiht. Die ersten 10 Jahre vergehen mit der Jagd nach Einkommen und Kariere. Doch Vinzenz kommt nicht zur Ruhe. Mehrere Erfahrungen bringen ihn dazu, eine innere Umkehr zu vollziehen. Er spürt, wie sein Leben dann erfüllter wird, wenn er sich Menschen in Not zuwendet. So entschließt er sich, das Gelübde abzulegen, sein ganzes Leben in den Dienst der Armen zu stellen. Das Jesuswort: „was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ wird zur Christusbegegnung. Aus dieser Erfahrung heraus begreift er auch, dass die Liebe zu den Armen auch darin besteht, Hilfe zu institutionalisieren und zu organisieren. Er sucht, motiviert und er findet auch Männer und Frauen, die sich von seiner Begeisterung anstecken lassen.
Es kommt zur Gründung des Ordens der Lazaristen (Von ihnen leitet sich das Wort: Lazarett ab.) und zusammen mit Luise von Marillac gründet er die Vinzentinerinnen. Zahlreiche Aufgaben warten: Das „Findelkinderwerk“ soll die Not und das Elend der „Findelkinder wenden, die in Paris in städtischen Häusern nur Schmutz und Elend kennen. Die Spiritualität der von ihm geprägten Ordensgemeinschaften wir am besten deutlich in seinen eigenen Worten: Er hat einmal in einem Brief über die Liebe zu den Armen geschrieben:

Der Dienst an den Armen ist allem anderen vorzuziehen und ohne Aufschub zu leisten. Braucht ein Armer während der Gebetszeit eine Arznei oder Hilfeleistung, so geht ruhig zu ihm und bietet Gott dar, was zu tun ist, als wärt ihr beim Beten geblieben. Lasst euch nicht durch Ängstlichkeit des Herzens oder Gewissensbisse beunruhigen, als hättet ihr wegen des Dienstes an den Armen das Gebet versäumt. Denn es ist keine Vernachlässigung Gottes, wenn ihr wegen Gott von Gott weggeht. Ihr habt eine fromme Handlung unterlassen, um eine andere zu leisten. Wenn ihr daher das Gebet verlasst, um einen Armen zu Diensten zu sein, so denkt daran, dass ihr diesen Dienst Gott erweist. Die Liebe steht höher als irgendwelche Regeln. Soweit Vinzenz von Paul. Er stärkt jedem den Rücken, dem es darauf ankommt, dass sein Leben und Handeln seinem Glauben entspricht. In einem Haus, das den Namen des heiligen Vinzenz trägt, muss dieser Geist spürbar bleiben. Der Namenspatron Vinzenz war kein Schwärmer, sondern hat durchaus eine Nüchterne Einstellung zu dem Dienst an den Notleidenden gehabt. Wer heute ein Krankenhaus führt, braucht auch wirtschaftlichen Erfolg, vor allem aber die bestmögliche Ausstattung hochqualifizierte Fachkräfte. Aber es braucht auch einen liebevollen Umgang miteinander, mit den Patienten und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Sparten. Menschen, die hilfesuchend in unser Haus kommen, müssen diesen Geist spüren, damit sie Vertrauen gewinnen können.
Wenn wir das Fest unseres Patrons begehen, dann meinen wir damit nicht, dass wir schon so wären, wie der große Vinzenz, aber wir drücken aus –und wir beten darum, dass seine Geist uns immer wieder beunruhigt und antreibt, so zu werden. Amen.